Kultur Reisen Türkei

Adiö Izmir

2. September 2015

Das waren also zwei Tage im zauberhaften Izmir, der – wie mir von einer Türkin versichert wurde – wohl am stärksten westlich geprägten Stadt von Türkei. Nun bin ich auf dem Weg ins Landesinnere zu meinen Ziegen und meinem Hirtenhund. Dort auf dem Dorf wird in Sachen Freizügigkeit sicher ein anderer Wind wehen. Wenn überhaupt einer weht.

Ist das der Busbahnhof von Izmir oder der von Berlin? An den netten Leuten im Vordergrund kann man’s nicht erkennen.

Apropos Freizügigkeit: Eine Kollegin hatte mich gefragt, ob in Izmir wirklich so viele verschleierte Frauen rumlaufen. Da konnte ich ihre Erwartungen enttäuschen: Es wird recht viel Haut gezeigt, vor allem Bein, hier und da auch mal ein Bauchnabel. Die Kleidung der Frauen ist sehr westlich geprägt. Recht oft sieht man den Hidschāb, d.h. auch die Gesichter der Frauen. Eine Vollverschleierung habe ich vielleicht achtmal gesehen; dabei waren jedoch immer noch die Augen einsehbar. Sone Vollburka mit Schleier vor den Augen ist mir nicht begegnet.

Alles in allem also ein Strassenbild wie an einem normalen Tag in Berlin-Wedding.

Und nochwas musste ich lernen: Meine Berliner Freunde hatten durchaus Recht, als sie sagten: „Schnall dich bloss nie an; die lachen dich aus!“ Immer, wenn ich in Izmir ins Taxi stieg und mich erstmal anschnallte, wurde ich skeptisch beäugt. Nach dem Motto: „Was ist das denn für ne Memme?“

Noch schlimmer soll’s wohl sein, wenn man hinten einsteigt (hihi) und sich anschnallt. Dann wird man gleich ausgelacht. Oder wieder rausgeschmissen. Schliesslich bezeugt man ja, dass man kein Vertrauen in die Fahrkünste des Şoförs hat und beleidigt ihn damit. Und seine ganze Familie. Inkl. aller Ahnen von 871 v. Chr. bis weit zehntausende Jahre in die Zukunft. Ich möchte nie Taxi fahren im Kosovo.

So, jetzt muss ich aber los.

tl;dr
Diesen Artikel habe ich in einem Reisebus auf dem Smartphone geschrieben. Es war die Hölle.

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5 Comments

  • Reply Schlumpfine 4. September 2015 at 22:07

    Ja ja das schöne Izmir. Mein Mann kommt daher. Er nennt sich auch gerne mal den Hollywood-Türken 😉
    Das mit dem Anschnallen kenne ich. Lustig war dann immer wenn es Gurte gab aber die funktionierten gar nicht. So ne Art Attrappe 🙂 Aber schlimmer fand ich es wenn die Gurte seit Jahren nicht benutzt waren und total dreckig. Es fehlten nur noch die Spinnweben. Ich habe es irgendwann seien gelassen mit dem Anschnallen. Viel Spaß im Dorf 🙂

    • Reply @Achtr 5. September 2015 at 23:27

      Ich werde es weiter mit dem guten alten Spruch aus den 80ern halten: Erst gurten, dann spurten.

      Nicht zu verwechseln mit dem Spruch aus den 90ern: „Gabi, watt kosten denn die Kondome?!?“

      • Reply @Achtr 20. September 2015 at 7:01

        Gestern bin ich bei einem Nuriyesen im Auto mitgefahren, der hatte einen modernen, 2 Jahre alten Volkswagen. Der piept und bimmelt natürlich, wenn auf einem Sitz jemand sitzt, aber nicht angeschnallt ist.

        Um das zu verhindern, gibt es spezielle Stecker, die man in die Gurtschlitze neben dem Sitz steckt, damit der Kontakt hergestellt ist und das Auto „denkt“, man sei angeschnallt. Only in Turkey …

        • Reply Schlumpfine 21. September 2015 at 12:36

          Haha ja die kenne ich. Oder man steckt den Gurt ran und setzt sich drauf! Was haben die alle gegen das Gurten. Die häufigste Ursache bei Todesfällen dort sind Verkehrsunfälle. Man man man…

          • @Achtr 21. September 2015 at 12:43

            Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich weiss auch nicht, was die dagegen haben.

            Vor allem ist der Aufwand, den die treiben, um sich NICHT anschnallen zu müssen, oft grösser als der Aufwand, sich einfach anzuschnallen.

            Die haben halt alle einfach zuviel Zeit.

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