Reisen Türkei

Nix Neues in İskenderun

27. Oktober 2015

Anfang dieser Woche habe ich İskenderun verlassen und bin nach Mersin gefahren. Dabei fiel mir auf, dass ich bisher noch nicht so viel über İskenderun geschrieben habe. Das liegt, glaub’s, vor allem daran, dass ich dort als embedded journalist unterwegs war: Eingebettet in eine dort ansässige Familie war ich mehr mit deren Alltag beschäftigt denn mit dem Besuchen von Sehenswürdigkeiten.

Trotzdem habe ich ein paar Dinge gemacht bzw. gelernt.

Das Folgende habe ich einfach nachgelesen und übernehme es weitestgehend unreflektiert:

  1. İskenderun liegt nur etwa 60 Kilometer von Syrien entfernt.
  2. Die Stadt ist ein Stützpunkt der US-Armee.
  3. In İskenderun endet wohl eine grosse Öl-Pipeline, die aus dem Irak kommt. Das habe ich auch nicht persönlich überprüft. Ich wollte nicht schon wieder irgendwelchen Polizisten oder Soldaten erklären müssen, weshalb ich mich da und dort rumtreibe und auch noch Fotos schiesse.

Die folgenden Dinge haben mir Einheimische erzählt:

  1. Zu Beginn des sogenannten 2. Golfkrieges 1990/91 haben alle in İskenderun ihre Koffer gepackt haben und sind aus der Stadt geflohen. Einfach weil sie dachten, dass wegen 2. aus der vorhergehenden Liste dieser Ort sicherlich mit als Erstes von den Irakern bombardiert würde. Es ist nicht immer von Vorteil, die Amis zu Gast zu haben.
  2. Viele ältere Türken, die man hier kennenlernt, haben die türkische Sprache erst in der Schule gelernt. Grund ist, dass die Gegend hier bis zum Türkischen Unabhängigkeitskrieg zu Syrien gehörte und daher Arabisch gesprochen wurde. Das war auch die Standardsprache in den ersten Jahren der Zugehörigkeit zur Türkei, und Türkisch musste erst in der Schule nach-gelehrt werden. Naja, immerhin ist niemand vertrieben worden, im Gegensatz zu den Griechen auf türkischem und den ethnischen Türken auf Griechenlands Boden. Was soll auch dieses hin und her?

Natürlich bin ich nicht so baden gegangen. Wie man sieht, gehe ich erst nochmal zurück an Land, um meine Krawatte und den Zylinder zu holen. Man will den Fischen ja nicht wie ein dahergelaufener Penner gegenübertreten.

Alles Folgende habe ich am eigenen Leib erfahren:

  1. Das Essen in İskenderun vertrage ich offenbar nicht so. Macht aber nichts, schmeckt mir nämlich auch nicht. Was war ich froh, wenn ein Laden auch mal Spaghetti Bolognese hatte!
  2. Da die Stadt am Golf von İskenderun liegt, isses da immer pupenwarm. Selbst jetzt noch, Ende Oktober, war ich im Mittelmeer baden. Und zwar ohne stundenlanges Zetern am Strand, sondern direkt rein ins Wasser – so warm war es da!
  3. Ich war bei einer türkischen Hochzeit. Bzw. eher bei einer kurdischen. Darüber habe ich hier berichtet.

Bei dieser Hochzeit bin ich auch beinahe in ein sehr grosses Fettnäpfchen getreten. Wie so oft sind meine mangelhaften Sprachkenntnisse die Ursache. Als ich nämlich mit einer jungen Frau tanzte, merkte ich, dass mein Portemonnaie, das ich in der vorderen Hosentasche bei mir trug, zwischen uns zu spüren war. Ich wollte die junge Dame schon darauf hinweisen, dass es sich wirklich nur um mein Portemonnaie handelt, habe mir dann aber ausgemalt, wie es aussehen würde, wenn ich auf meinen Lendenbereich zeigen und das Wort „Para“ (Türkisch für: Geld – das Wort für Portemonnaie kenne ich nicht) sagen würde. Wahrscheinlich würde sie – und auch ein paar Umstehende – davon ausgehen, ich wolle sagen, sie können sich etwas Geld verdienen, wenn sie in meinem Lendenbereich aktiv würde. Das fand ich dann doch unpassend.

İskenderun ist auch die Stadt in Türkei, in der ich zum ersten Mal in einem Tofaş mitgefahren bin. War ein Taxi, so wie dieses:

Das ist am Busbahnhof von İskenderun aufgenommen. Wenige Minuten später steige ich in meinen Bus nach Mersin.

Selber Auto gefahren bin ich auch, zum ersten Mal in Türkei. Davor hatte ich etwas Respekt, wirkt der Verkehr in diesem Land für den durchschnittlichen Mitteleuropäer doch eher chaotisch bis bedrohlich. Aber das Gute ist: So wie man fährt, so darf man hier auch parken. Nämlich chaotisch:

Dass ich den weissen Opel halb auf der Kreuzung geparkt hatte, hat niemanden gestört. Die können alle Auto fahren und kurven da einfach drumrum. Ja, auch die Frauen.

tl;dr
Das Essen ist einfach nicht nach meinem Geschmack – irgendwie werden İskenderun und ich wohl keine rechten Freunde. Auch wenn es dort das ganze Jahr über schön warm ist.

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3 Comments

  • Reply Maikel 28. Oktober 2015 at 8:27

    „Ist das deine Finanzkraft, oder freust du dich nur, mich zu sehen?“

    • Reply @Achtr 29. Oktober 2015 at 17:18

      Ach, du erinnerst dich noch, wie wir uns kennengelernt haben!

  • Reply Linda linzmeier 2. April 2016 at 23:19

    Schade dass das essen nicht so ankam.ich habe von 1958-bis 1865 in adana gelebt und die tüerkisch küche sehr genossen es war supper.

    Auch aleppo und umgebung habe ich sehr ,bis heute, geliebt .schade dass alles so zerstört wirde.

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