Frankreich Türkei

Europa und der Terrorismus – Reisen bildet

14. November 2015

Zugegeben, ich bin kein Journalist. Ich bin auch kein Historiker oder Politologe, nicht mal auffällig intelligent. Ausserdem ist sicher in irgendwelchen Ecken des Internets schon längst alles geschrieben worden zu den gestrigen IS-Anschlägen auf Paris. Aber wie meine liebe, treue Kollegin @Textonia es mal passend formuliert hat: „Social Media heisst: Es ist schon alles gesagt worden, nur noch nicht von mir.“ Ich werde mich auch kurz fassen.

Also, seien wir ehrlich – wenn 129 Menschen sterben, dann ist das schlimm. Für diese Menschen selbst, die sicherlich noch viel mit ihrem Leben vorhatten, für deren Hinterbliebene und Freunde, für umstehende Überlebende und wahrscheinlich auch für Rettungskräfte.

Aber war das jetzt wirklich ein Angriff auf die „freie Welt“, der alles erschüttert? Guck dir doch dein Leben mal an! An wie vielen Tagen läufst du durch deine Stadt und es passiert – nichts! Kein Terroranschlag, keine Schiesserei, keine Bomben von oben oder irgendeiner anderen Seite. Auch nach den Anschlägen von gestern nicht. Du kannst gehen, wohin du willst, dich ins Café deiner Wahl setzen, wirst nicht angeschossen, und du kannst auch noch sagen, was du denkst. Jetzt frage ich dich: Fühlst du dich wegen gestern wirklich bedroht? Wegen „lumpiger“ 8 Attentäter? Vor allem wenn du die in Relation setzt zu mehr als 500 Millionen Einwohnern in der EU?

Wenn ja, dann mach dir mal die Mühe und fahr in deinen Ferien zum Vergleich dorthin, wo du nicht so frei sprechen kannst. Und wo Terrorismus an der Tagesordnung ist (so sehr, dass er kaum noch in der Persse steht [das war einen Tag vor Paris – hast du’s mitbekommen?] oder auch nicht als „Angriff auf die gesamte Menschheit“ gewertet wird). Geh doch mal in den Nahen Osten. Oder traust du dich, in Afrika Ferien zu machen? Sogar Ägypten und Scharm El-Scheich misstraust du doch inzwischen. Das sind all die Plätze, wo von amerikanischen Terrorregierungen Krieg gesät und kleine Kinder von Bomben zerfetzt werden.

Und wofür? Damit du morgen mit deinem erdölbetriebenen Auto zur Arbeit fahren kannst. Aber du fühlst dich bedroht, weil 8 Soldaten die 500-Millionen-Einwohner-Bastion Europa angegriffen haben.

Seien wir ehrlich: Wir leben in Europa im Paradies. 2 Terrorattacken im Jahr (Charlie Hebdo und jetzt nochmal Paris) sind im globalen Vergleich gesehen ein guter Wert, gemessen an den USA sowieso (die haben ja dank Waffenlobby ihre eigenen Attentäter und müssen die nicht immer erst umweltunfreundlich einfliegen). Also brauchen wir auch keinen „Krieg gegen den Terror“ oder weitere verschärfte Sicherheitsmassnahmen. Alle Begründungen Quatsch!

Stattdessen könnten wir mal aufhören, gierig zu sein. Damit nicht mehr in unserem Namen die USA und Verbündete irgendwelche sowieso schon geschundenen Länder auf der ganzen Welt bombardieren, Menschen töten (ja, richtige Menschen), Kinder verstümmeln und Familien obdachlos machen.

So, und jetzt gibt es noch ein Foto von Paris, aufgenommen vom Eiffelturm zwischen Weihnachten und Neujahr 2013. Ich empfehle mich.

Jetzt würde mich noch interessieren, was Volker Pispers zu dem Ganzen sagen würde.

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