Deutschland Türkei

„Wusst ich doch, dass Rauchen tödlich ist.“

10. November 2015

Das ist ja mal ein Zufall. Da berichte ich auf Facebook, dass die Türken heute, am 10. November, den Todestag ihres Staatsgründers und Übervaters Atatürk begehen, und dass wir Deutschen das nicht können, weil wir einfach keine gemeinsame Identifikationsfigur haben. Dann ein kurzer thematischer Schwenk zu Altkanzler Helmut Schmidt, der das ja werden könnte, wenn er denn sterben würde – und prompt tut er das auch. Er verstirbt heute.

Eins mal gleich vorweg: Ich habe das nicht gewollt. Ich habe auch ein Alibi.

Das ist der Text des heutigen Facebook-Posts inkl. dem ersten Kommentar dazu.

Das ist der Text des heutigen Facebook-Posts inkl. dem ersten Kommentar dazu.

Jetzt wollte ich eigentlich, wie in dem Facebook-Post angekündigt, den Unterschied zwischen Türkei und Deutschland beschreiben: Die einen haben eine geschichtsträchtige Person, die offenbar (fast) alle im Land verehren (ausser der aktuellen Regierung) und die daher als gemeinsame Identifikationsfigur taugt; die anderen gedenken vor allem geschichsträchtiger Ereignisse (Fall der deutsch-deutschen Mauer, Vereinigung beider deutscher Staaten). Was ist nun besser?

Auf den ersten Blick tönt das mit dem übergreifenden Nationalhelden friedensstiftend (jedenfalls innenpolitisch). Aber offenbar kann das auch in die weitere Entwicklung des entsprechenden Staates behindern. Darüber habe ich schon mal kurz philosophiert in diesem Beitrag zum türkischen Nationalfeiertag.

Und bei kurz soll es auch diesmal bleiben, denn jetzt wird nicht der Unterschiede der politisch-gesellschaftlichen Systeme gedacht, sondern des grossen deutschen Staatsmannes, der uns durch den „deutschen Herbst“ gelotst hat und der heute verstorben ist. Wie auf allen anderen Kanälen soll dies auch hier mit einem Zitat seiner Person geschehen. Es stammt aus dem Jahr 1977, als ich mit meiner Familie (ich war damals 5) in Kanada unterwegs war und wir unseren Kanzler Helmut Schmidt ganz zufällig während eines Staatsbesuchs in Victoria auf Vancouver Island trafen. Also, Schmidt war auf Staatsbesuch; wir waren ausnahmsweise mal nur so da.

Als mein Vater ihn sah, war er ganz aus dem Häuschen und wollte Helmutchen unbedingt mit seiner Super-8-Kamera filmen. Dazu drängelte er sich durch den Tross an Journalisten , die sich auch wunderten, was da jetzt für ein Laie kommt und einen Aufstand macht (meiner Mutter ist das bis heute peinlich), und auch die Sicherheitsleute hatten ihn schon auf dem Kieker.

Nur Schmidt, der hatte, als mein Vater rief „He Helmut, wir sind Landsleute!“ ein Herz für den kleinen Mann aus dem Volk und sprach gewohnt hanseatisch:

„Jetzt lasst doch mal den Mann durch!“ – Helmut Schmidt 1977 auf einem Staatsbesuch in Kanada, belästigt durch eine Familie aus West-Berlin

Den Rest des Urlaubs haben wir dann schön auf Staatskosten verbracht, eingepfercht in eine Zelle der Royal Canadian Mounties, die schon nach drei Wochen Auseinandernehmen der Kamera meines Vaters zu dem amtlichen Endergebnis kamen, dass darin tatsächlich keine Schussvorrichtung versteckt war.

Danke für alles, Helmut.

tl;dr
Jetzt haben Atatürk und Schmidt also mindestens eines gemeinsam: Sie stehen in meinem Blog. Äh, ich meine – sie haben den gleichen Todestag.

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