Kirgistan Reisen

Kirgistan in Grün

26. Juni 2016

Die Frage ist doch: Darf man grüne Schuhe tragen, wenn man in ein Land fährt, dessen Bevölkerung vorwiegend muslimisch ist?

Ich frage das, weil Grün immerhin die Farbe des Islam ist (sagt auch Wikipedia), und wenn man in grünen Schuhen rumläuft, dann tritt man diese Farbe quasi ständig mit Füssen. So richtig nett ist das nicht, findet vielleicht der eine oder andere wenig Tolerante.

Mir egal, ich brauchte neue Wanderschuhe. Die alten waren nach Dutzenden Einsätzen unbrauchbar, und für Outdoor-Erlebnisse in Kirgisistan ist geländegängiges Schuhwerk offenbar schon empfehlenswert.

Nach zahlreichen Besuchen in einigen Berner Geschäften für Wanderbedarf blieb mir schlussendlich die Wahl zwischen diesen beiden Modellen:

Ich habe mich für den grünen Schuh entschieden (also, natürlich für zwei davon, einen linken und einen rechten). Zum einen, weil Grün meine Lieblingsfarbe ist, vor allem aber, weil dieser Schuh eine griffigere Sohle hat als der braune und auch spürbar leichter ist. Zu guter Letzt noch deshalb, weil mich der braune Schuh in Kombination mit meiner ebenfalls khakifarbenen Wanderhose von der Gürtellinie an abwärts aussehen liesse wie ein Desert-Storm-Truppenmitglied. Und man will in Ex-Sowjetrussland ja nicht gleich wie ein US-Besatzer aussehend einfallen.

Ich habe noch ein zweites Paar Wanderschuhe gekauft. Die sehen eher aus wie Sneakers, haben aber eine Wanderschnürung sowie eine sehr griffige Sohle. Während die grünen Schuhe wasserfest und recht warm sind, sind die Sneaker-ähnlichen eher Schönwetterschuhe. Aber dann auch gut geländegängig.

Weshalb erzähle ich eigentlich von so etwas Langweiligem wie Wanderschuhen? Weil ich ein guter Vater bin! Und als solcher werde ich beide Paar Schuhe nach Kirgistan mitnehmen. Der Grund: Mein Sohn hat seine Reisevorbereitungen kommentiert mit den Worten „Ach, ich nehme meine Chucks mit“. Und da bin ich doch lieber mal vorbereitet auf den Moment, wenn wir feststellen sollten, dass Chucks für kirgisische Gebirge eben doch nicht so das geeignetste Schuhwerk sind.

Übrigens, nochmal zurück zu dem Thema Islam und grüne Schuhe: Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Die Kirgisen sind zwar überwiegend muslimisch, aber sie pflegen einen gemässigten Islam. Trotzdem werde ich ein paar Kleidungsstücke, die ich eigentlich gern mitnehmen würde, zu Hause in Bern lassen. Zum Beispiel dieses T-Shirt:

Es zeigt einen Pinguin, wie er vom türkischen, regierungskritischen Satiremagazin Penguen als Maskottchen verwendet wird. Und wenn Kirgistan auch nicht die Türkei ist, sind die Kirgisen immerhin ein Turkvolk, und wer weiss, worauf die allergisch reagieren. Zudem muss ich auf meiner Flugreise nach Bischkek in Istanbul umsteigen, und nach den Geschehnissen des letzten Vierteljahres und dem aktuell zerrütteten Verhältnis zwischen Deutschland und Türkei übe ich hier gern mal vorauseilenden Gehorsam. Es reicht mir schon, dass einer meiner Couchsurfing-Gäste vor kurzem in Polen mit Pfefferspray niedergestreckt und für eine Nacht inhaftiert wurde, weil er auf offener Strasse Alkohol getrunken hatte und anschliessend die Polizisten nicht schmieren wollte.

Ich lasse auch die Armbanduhr daheim, die ich im Bild trage, weil sie den Pinguin mit Gasmaske zeigt, das Symbol der türkischen #OccupyGezi-Aktivisten. Die Erklärung, weshalb nun gerade ein Pinguin Smybol des Widerstands gegen die Regierung wurde, steht hier auf creativereview.co.uk.

Nehme ich stattdessen halt meine alte Volkswagen-Uhr mit. VW ist beliebt, jedenfalls in der Türkei sind sie davon begeistert. Wird in Kirgistan nicht anders sein. Abgasskandale interessieren in Vorder- und Zentralasien nicht.

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