Couchsurfing Kirgistan Reisen

Nach Kirgistan ist nach Kirgisien

20. Juni 2016

In wenigen Wochen werde ich – zusammen mit meinem Sohn – nach Kirgisistan fahren. Die Entscheidung für dieses Land als Reiseziel fiel eher durch ihn denn durch mich. Ich hätte Konya bevorzugt, eine ziemlich traditionelle Stadt in der Türkei (wo selbst meine Freunde aus Izmir Kopftuch anlegen – also, nur die weiblichen), oder Igdır, die östlichste Stadt des Landes, und von dort anschliessend Nachitschewan, auch wenn die kein Wappentier haben (das ist ein Insidergag mit meinem derzeitigen Chef, und um ihn zu demütigen, werde ich dieses Jahr auf jeden Fall noch in diese Exklave Aserbaidschans fahren).

Mein Sohn jedoch meinte (frei zitiert): „Türkei, das kennt ja jeder. Aber für Kirgisistan habe ich im Buchladen keinen Reiseführer gefunden – da müssen wir hin!“

Ich will hier nicht die Suchfähigkeiten meines Sohnes diskutieren, und er hat schon auch ein bisschen Recht, dass über das touristische Kirgistan nicht allzuviel bekannt ist, aber irgendwo habe ich immerhin gelesen, dass das Land als „Schweiz Zentralasiens“ gehandelt wird (vorrangig wegen der landschaftlichen Vorzüge). Und doch redet die deutschsprachige Wikipedia davon, es sei „touristisch bislang kaum erschlossen“ (das ist genau das, was meinen Sohn so reizt).

Wir haben aber trotzdem ein paar grundlegende Sachen über Kirgisistan herausgefunden:

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Da steht er, mein Deuter Aircontact Pro 70 + 15, bereit für eine weitere Abfahrt in entfernte Galaxien. Oder zumindest nach Asien. Schade, gibt’s den nicht in fröhlicheren Farben.

  • Das wesentliche touristische Leben spielt sich offenbar vor allem im Norden des Landes ab, rund um die Hauptstadt Bischkek, einer Stadt, die mal an der Seidenstrasse gelegen war. (Die letzte Information ist nur dazu da, um ein bisschen den Klugscheisser raushängen zu lassen.)
  • Von Reisen in den Süden Kirgisiens rät das deutsche Auswärtige Amt sogar ein bisschen ab, wegen möglicher Anschläge islamistischer Terroristen. Aber die sind ja immer Schisser. Also, die vom Auswärtigen Amt. Okay, die anderen auch.
  • Vor ein paar Jahren wurden die Einreisebedingungen für Kirgisistan extrem gelockert. Ich als EU-Bürger z. B. benötige gar kein Visum. Nach meinem Verständnis ist diese Entscheidung gefällt worden, um das Land eben für Touristen attraktiv zu machen. Dass einer von diesen Menschen dauerhaft bleiben und evtl. die Sozialkassen belasten würde, ist unwahrscheinlich. Dafür ist das Land einfach nicht attraktiv genug. Also, nicht äusserlich, sondern von den Löhnen her etc.
  • Als regelmässiger Couchsurfing-Host und nach meinen Erfahrungen während der Türkeireise 2015 möchte ich auch diesmal wieder bei „normalen“ Menschen daheim leben. Das scheint aber zunächst schwieriger als angenommen: Auf couchsurfing.com habe ich einige Anfragen an Bischkeker gesendet, aber entweder gar keine Antwort erhalten oder welche in der Art: „Nach so vielen Besuchen in der letzten Zeit habe ich beschlossen, aus meinem freien Häuschen ganz offiziell ein Hostel zu machen.“ Offenbar ist Kirgistan also wirklich gerade im Umbruch und wandelt sich vom Insidertip zum Touristenmagneten. Ach, wie ich diese Magneten-Formulierung hasse – da Touristen nicht metallisch sind, würde ein Tourismusmagnet keinen davon anziehen. Aber du weisst, was ich meine: Fahr so lange nach Kirgistan, wie nicht an jeder Ecke einer steht und sagt: „My friend, wanna buy a watch?“

Dieser letzte Tipp gilt übrigens auch für den Iran und ist die Conclusio in dem Buch „Couchsurfing in Iran“ von Stephan Orth. Also hopp mal nicht Schwyz, sondern irgendwohin, wo’s vielleicht nicht mehr lange ist, wie es gerade ist. Nordkorea zum Beispiel.

Wenn Kirgisien wirklich die „Schweiz Zentralasiens“ sein will, dann muss sich das Land aber anstrengen. So wie auf diesem Bild hier sieht es 20 Minuten von meinem Zuhause entfernt aus – an Tagen mit schlechtem Wetter!

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